Rassestandard unserer Hovawarte

eine persönliche Niederschrift nach unterdessen gut 25 Jahren Hovi-Erfahrung

 

 

Der Hovawart ist eine alte deutsche Rasse, die um 1900 beginnend neu herausgezüchtet wurde. Seit 1937 offiziell als Rasse anerkannt, wurde der Hovawart aus altdeutschen Schäferhunden, Leonbergern, Berner Sennen, Neufundländern und "Tessa", der Nordafrikanerin, neu gezüchtet.
Heraus kam das, was der Hovi - Freund heute an seinem Vierbeiner so liebt. Ein unbestechlicher, familientreuer, kraftvoller, urgesunder Familien - und Begleithund, der bei richtiger Erziehung ein lebenslanger Freund und Beschützer ist.
Natürlich hat er seinen eigenen Kopf und Charakter, den man mit einer guten Portion Humor nie brechen, nur erziehen darf.
Einesteils ein absolut sensibles Familienmitglied, liebevoll und schmusig, nur zufrieden, wenn die ganze "Sippe" zusammen ist und Hovi in der Mitte liegen kann.
Andererseits ein unbestechlicher Wächter, der ohne unnötiges Gekläff und Schutzhundausbildung 100%ig weiß, wann und wo er wen nicht auf den Hof oder an die Seinen heranlässt.
Absoluter, so genannter "Soldatengehorsam", wie er oft von Schutzhundrassen gefordert wird, ist dem Hovi fremd und nicht für ihn geeignet. Er verliert nie seine Selbständigkeit, gehorcht aber dem, dem er vertraut.
Die Flausen im Hovi - Kopf sind äußerst vielgestaltig. Als "spätreife" Rasse ist man hier vor Überraschungen nie sicher.
So sollte der ideale Hovi - Besitzer sportlich, wetterfest, humorvoll, charakterstark, bodenständig, schmusetauglich und nach Möglichkeit nicht gerade Ziergartenfan sein.


Zu den einzelnen Punkten:

Sportlich -

klar, der Hovi ist ein großer, lauffreudiger Hund, der seine täglichen langen Spaziergänge und die Übungs- und Spielstunden auf dem Platz liebt

Wetterfest - 

es gilt immer: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsch angezogene "Zweibeiner". Und außerdem gibt es diese leckeren und fellpflegenden Matschpfützen ja sowieso leider viel zu selten...

Humorvoll -

 

man sollte kunstvoll benagte Tischbeine, demontierte Gartenpavillons, permanent unauffindbare linke (oder rechte) Schuhe, bergbau-verdächtige Löcher... mit Humor, etwas Abstand und guten Nerven betrachten. (...übrigens ließe sich diese Liste beliebig fortsetzen...)

Charakterstark - 

denn bei aller Liebe hat der Hovi einen ausgeprägten, starken eigenen Kopf, den man nur mit Intelligenz und Liebe erziehen kann. Und das bitte schon - angemessen natürlich - im Welpenalter. Denn nur wer es schafft, den wirklich herzzerreißend süßen Blick des jugendlichen "Schwerenöter´s" auszuhalten und konsequent zu bleiben, dem gehört später ein wohlerzogener, sicherer Hund.

Bodenständig -

 

 - natürlich ist einem Hovi - Besitzer weder Oper, Kino noch Restaurant fremd, doch sollte man die "bessere" Garderobe farblich an seinen Hund anpassen. Sprich: wer einen Blonden sein Eigen nennt, sollte - rein fusseltechnisch - auf das "kleine Schwarze" verzichten, ja, und eben umgekehrt. Denn nur wer Hovihaare kennt, weiß wie sie haften und sich zur "Invasion der Fusselbälle" zusammenrotten...
Also am besten Gasthof und Straßencafe, da freut sich auch der Hovi, denn dort darf er unterm Tisch warten, bis die "Zweibeiner" fertig sind!
Und auch wer Wert auf chinesische Bodenvasen, Perserteppiche und ähnlich wertvolle Zimmergestaltungen legt, sollte sich den Kauf eines Hovi´s (oder überhaupt eines Hundes) gut überlegen.

Schmusetauglich -

 

heißt, dass ich in jeder Lebenslage bereit bin, mit meinem Hovi zu kuscheln. Denn es gibt wohl kaum einen größeren Schmuser...


Fazit des Ganzen: Der wohlerzogene Hovi
in der Mitte seiner Familie -
ein Bild des Glückes.

Noch ein Wort zur Einzelhaltung. Natürlich ist der Hovi glücklich in seinem "Menschenrudel". Aber es ist auch sehr gut möglich, zwei oder mehr Hunde zusammen zu halten. Schon bei Züchtern ist das meist so.
Stellt sich dann die Frage, ob man bei einem Geschlecht bleibt oder sich ein Pärchen zulegt. Möglich ist beides. Wobei ich persönlich die Pärchenhaltung ungünstig finde, allein schon wegen der Läufigkeit der Hündin. Denn dann leidet der Rüde zweimal im Jahr für ca. 2 Wochen Qualen, weil er nicht zu seiner Hündin darf.
Die Annahme, dass bei gleichgeschlechtlichen Tieren "die Fetzen fliegen", kann ich - aus eigener Erfahrung- und auch von Freunden her, nicht bestätigen. Natürlich muss man beim Aufbau der Rangfolge leitend und regelnd erziehen, aber dann ist das Thema auch vom Tisch.

Hier nur 2 Bilder als Beweis, wie gut - selbst beim Fressen - das Rudel funktioniert... (Fina, Dshiny, Alena, v.r.n.l.)


Beim Altersunterschied empfiehlt die Fachliteratur einen Abstand von zwei bis vier Jahren, aber auch schon Abstände von nur einem Jahr gingen problemlos glatt. Als wir zu unserer damals knapp 12-jährigen Hündin einen Welpen dazuholten, rieten uns viele Hundekenner dringend ab. Es ging unserer Fina zu dieser Zeit nach einer Krebsoperation relativ schlecht.
Als dann Dshiny mit ihren tapsigen 8 Wochen auf unserem Hof stand, kamen auch mir Zweifel...
Aber weit gefehlt. Fina rappelte sich - entgegen aller Prognosen - in Windeseile wieder auf, übernahm den "mütterlichen" Teil die Erziehung der "Lütten", ging wieder gerne mit raus und lebte förmlich auf.
Im Laufe der letzten drei einhalb Jahre sind die Beiden ein super Team geworden, sie achten aufeinander, fressen nicht ohne die andere, liegen beisammen in der Küche...

Und auch Alena - Aymie, unsere kleine schwarzmarkene Prinzessin, hat sich toll integriert. Ich kann nur sagen, es ist wunderbar mit einem selbstgezogenen Hund! Alena hat problemlos ihren Platz im Rudel eingenommen, leckte gerne der Oma Fina den Fang und kann mit ihrer Mama fast alles machen :-)). Hätte ich nie gedacht, aber die Lütte darf wirklich alles mit Dshiny machen - und sie spielt gerne mit. Eine Ausnahme gibt es allerdings: Alena muss zu Dshiny´s Schweineohr ca. 1 Meter Abstand halten, sonst gibt es "Zunder" ;-))). Aber da muss sie durch...
Natürlich konnte Fina mit ihren damals 16 Jahren nicht mehr so spielen, aber dafür gibt es ja jüngere Hundefreunde. Außerdem können jetzt Mama und Tochter miteinander toben... Und Gassirunden bis zu einer Stunde Fußmarsch waren bis zu 16 1/2 Jahren kein Thema für Fina,,, Obwohl Dshiny mit ihren 39 kg und Alena mit 35 kg Fina mit 26 kg bequem den Rang des Rudelführers hätten streitig machen können - sie kamen nicht im Traum darauf, da die Rangordnung bei den Dreien felsenfest stand.
Ebenso ist es, seit unsere Fina nicht mehr bei uns sein kann. Dshiny hat den Chefposten übernommen und alles läuft wie gehabt.
So kann ich also nur sagen, Probieren geht über Studieren. Und wenn man die Grundregeln der Erziehung und Rangfolge anwendet, hat man viel Freunde für und mit seinen Hovi´s.

Denn - als Schlusswort sei das gesagt - wer sich einmal mit dem "Hovawart-Virus" infiziert hat, 

den lässt er nie mehr los...

(...was uns schon viele Welpenkäufer bestätigt haben :-))

 

Einen lesenswerten Standard - gesehen aus der Sicht eines Hovibesitzers - gibt es hier!!

 

Wer den Rassestandard laut Zuchtordnung lesen möchte,
kann das natürlich unter
www.hovawarte.com tun.